▶ Als noch alles schön und lustig war
AFORK – Auffanglager des rheinischen Bilderdurstes
Im Museum Kunstpalast ist das 2003 gegründete Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene AFORK angesiedelt. Es sammelt überwiegend dokumentarische Bilder des inzwischen legendären Aufbruchs der rheinischen Kunstszene der Nachkriegszeit mit Ausläufern bis in die unmittelbare Gegenwart. Es sind Bilder jener fotografierenden Anhänger, die aus Interesse und Enthusiasmus den Künstlerstars auf Schritt und Tritt, von Vernissage zu Vernissage, von einer Party zur nächsten folgten, meist ohne Auftrag zur Stelle waren, beseelt und besessen von der Mission der Kunst dieser Tage, bald selbst Teil dieser bewegten Kunstszene, Anhänger, Begleiter oder Combatanten.
Doch war es von Anfang an eine ungleiche Symbiose. Während die Künstler aufstiegen und erfolgreich wurden, blieben die Vermarktungschancen für ihre Fotografen dürftig. Viele von ihnen - nicht einmal eine Bezeichnung für diese Gruppe hat sich gebildet, Kunstfotografen nennen sich die fotografierenden Künstler - sitzen heute auf Kisten voller alter Negative und digitalem Fotomaterial, um die sich niemand schert. Das AFORK ist eine seltene Ausnahme. Mit einem Ankaufsetat von immerhin 100.000 Euro im Jahr gesegnet kann im Düsseldorfer Museum Kunstpalast eine kontinuierliche Arbeit beginnen. In Anbetracht der Menge ungesicherter Aufnahmen nur in Tropfen auf den heißen Stein.
Dem AFORK ist zuletzt der Ankauf des Bildarchivs von Nic Tenwiggenhorns gelungen, bevor der nach Berlin übersiedelte. Über 300.000 Euro konnten zusammen mit der Kunststiftung NRW und anderen Geldgebern für die rund 70.000 Negative, 25.000 bis 30.000 Abzüge und 8.000 Ektachrome des Tenwiggenhornschen Bildschaffens angekauft werden. Andere Fotografen schauen in die Röhre. Ihre Archive drohen zu verfallen. „Mein Material landet auf dem Müllcontainer“, wie der Bonner Fotograf Franz Fischer frustriert zu Protokoll gibt. Ähnlich ratlos zeigen sich Dietmar Schneider, Burkhard Maus, Erika Kiffl oder Inge Sauer. Erika Kiffl war unter den Mitbegründern des ARORG. Der Etat des AFORK sinkt „peu á peu“ wie der Leiter des Fotoarchivs Kay Heymer ab Herbst 2008 eingesteht. Auf Jahre noch ist er ohnehin durch den letzten Ankauf stark belastet.
„Eine sehr schwierige Geschichte“ nennt Heymer die Frage nach einem geeigneten Ausstellungsraum der Fotobestände. Ein permanenter Ausstellungsraum ist nicht in Sicht. Da ist die Auswahl „Faszinierende Dokumente“, die ab dem 4. Februar im Graphischen Kabinett zu sehen ist, ein Hoffnungszeichen. Die Ausstellung, die zuvor im Moskauer House of Photography präsentiert wurde, kann in Düsseldorf allerdings nur in deutlich verkleinerter Version gezeigt werden. Aus Platzgründen können nur die Hälfte der Bilder ausgestellt werden. Mit Gerhard Richter erhält der Superstar der rheinischen Szene in seinem Jubiläumsjahr einen besonders großen Raum.
AFORK dient denn vorläufig mehr der Forschung und auch als „Ressource“ für Kunstausstellungen, etwa für die Konrad Klapheck Retrospektive, die für den April 2013 angekündigt wird.
Leer ausgegangen ist das AFORK übrigens beim Deal um den Nachlass von Ute Klophaus. Stephan von Wiese traf sich unlängst mit Eugen Blume vom Berliner Joseph Beuys-Medienarchiv und Bettina Paust vom Moyländer Beuys-Archiv in Klophaus Wohnhaus in Wuppertal, um mit den beiden Klophaus Brüdern über den Verbleib des fotografischen Nachlasses zu verhandeln. Je zur Hälfte geht der Klophaus Nachlass nun nach Berlin und Moyland. Das AFORK allerdings wurde von dessen Gründungsdirektor und Berater von Wiese offenbar nicht in Betracht gezogen.
Faszinierende Dokumente im Museum Kunstpalast ab 4. Feb. 2012
C. F. Schröer
20.01.2012 11:16 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen







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