▶ Bridget Riley
12. Rubenspreis der Stadt Siegen | Museum für Gegenwartskunst Siegen
von Nathalie Dimic
Von flirrenden Farben und tanzenden Kreisen
Zugegeben, auch ich bin bisher nur durch Siegen hindurch gefahren. Der Bahnhof ist nicht gerade schön und die dahinter aufragenden Einkaufszentren haben auch nichts anderes zu bieten, als die Malls anderer Städte. Vom Siegener Museum für Gegenwartskunst hatte ich bis vor wenigen Tagen noch nie etwas gehört und selbst die Tatsache, dass der bekannte Barockmaler Peter Paul Rubens in der abseits gelegenen Siegerland-Stadt geboren ist, war mir schier unbekannt.
Umso erstaunlicher war es für mich zu lesen, dass die englische Malerin Bridget Riley (*1931) in Siegen mit einer Ausstellung geehrt wird, deren Konzeption und Gestaltung die Künstlerin selbst erarbeitet hat. Riley, die bereits in den 1960er Jahren für ihre radikale künstlerische Position, jene schwindelerregenden schwarz-weißen Rauten- und Spiralenbilder, internationale Anerkennung erhalten hat, wählt für die für aktuelle Ausstellung eine sehr puristische Präsentationsform und lässt in den zwölf Museumsräumen jeweils nur zwei bis drei Bilder wirken. Die verschiedenen Werkgruppen geben nicht nur Einblick in die Vielfalt des künstlerischen Schaffens, sondern lassen auch auf die verschiedenen Reihungs- und Verflechtungsstrategien der Künstlerin schließen. Streifen, Rhomboide, kurvige Formen oder auch Kreise gehören zum Formenrepertoire der großformatigen Arbeiten, die allesamt einen langen Entstehungsprozess durchlaufen haben. Die Arbeitsweise Rileys ist von äußerster Genauigkeit und Kompromisslosigkeit gekennzeichnet, wobei sie aber nicht nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten verfährt, sondern sich jeder Komposition in zahlreichen Studien annähert. Erst wenn die Entwürfe im Kleinen die gewünschte Wirkung entfalten, werden sie mit selbstgefertigten Farben auf der Leinwand ausgeführt.
Neben den für Riley typischen Streifen- und Rautenbildern werden im Museum für Gegenwartskunst Siegen auch zwei Wandbilder sowie eine eigens für das Museum entworfene monumentale Zeichnung präsentiert: Auf einer 17 Meter langen weißen Wand erstrecken sich unzählige große schwarze Kreise, die sich überschneiden, Schnittmengen bilden und je länger man sie betrachtet, desto mehr scheinen sie auf der weißen Wand zu tanzen.
Einst inspiriert durch die Formensprache des Pointillisten Georges Seurat, beschäftigt sich Riley seit nunmehr über 50 Jahren mit der optischen Wahrnehmung und sagt, dass sie erst durch die Malerei die „Freuden des Sehens“ gelernt habe. Der revolutionäre Charakter, der ihre Arbeiten der 1960er Jahren auszeichnete, ist leider zugunsten einer übergeordneten Methodik und ästhetischer Verlockung immer weiter zurückgetreten. Es bleiben beeindruckende Bilder, die unseren Blick an sich reißen.
Am 1. Juli 2012 wurde Bridget Riley für ihr Lebenswerk mit dem 12. Rubenspreis der Stadt Siegen geehrt und die Künstlerin bedankt sich mit einem herausragenden Seherlebnis, das den Ausstellungsbesuchern zuteil wird.
Museum für Gegenwartskunst Siegen
Bridget Riley
12. Rubenspreis der Stadt Siegen
Ausstellungsdauer:
01.07.2012 – 11.11.2012
Öffnungszeiten:
Di bis So 11 bis 18 Uhr
Do bis 20 Uhr
06.07.2010 20:37 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen










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