▶ Cause nothing ever happens here

von Nathalie Dimic

 


iceland © Josune Arizti 

 

 

Schon länger sind die künstlerischen Erzeugnisse der kleinen Eis-und-Feuerinseln südlich vom Polarkreis keine Geheimtipps mehr. Die isländischen Klänge der Pop-Elfe BJÖRK sowie der Band SIGUR RÓS, die Romane von HALLDÓR LAXNESS und JÓN KALMAN STEFÁNSSON, die Installationen der ICELANDIC LOVE CORPORATION sowie die Mode von STEiNUNN und ELM DESIGN entfalten ihren Zauber auch außerhalb der kantigen Vulkanlandschaften. Ob in der Musik, Literatur, Mode oder Kunst, Island scheint vor Kreativität und Schöpferkraft nur so zu sprudeln und es bleibt zu fragen, worauf dieses unerschöpfliche künstlerische Potential zurückführen ist. Sind es die rauchenden Vulkane, der enorm hohe Lakritzkonsum oder doch die Zauberkräfte der hier beheimaten Elfen und Trolle? Gemein ist der isländischen Kunst: Eine Tiefe ohne lähmende Schwere, eine Leichtigkeit ohne öden Stumpfsinn und ein kleiner Zauber, aber ohne jeden Hokuspokus.

 

Noch bis zum 16. Oktober 2011 zeigt der FRANKFURTER KUNSTVEREIN zwei Ausstellungen zur zeitgenössischen isländischen Kunst.

 

In GRENZEN ANDERER NATUR. ZEITGENÖSSISCHE FOTOKUNST AUS ISLAND werden Werke isländischer Fotokünstler und Multimediakünstlerinnen gezeigt, die sich mit natürlichen und von Menschen geschaffenen Landschaften auseinandersetzen. Zu sehen sind zum Beispiel die künstlerischen Positionen von BÁRA KRISTINSDÓTTIR, HRAFNKELL SIGURÐSSON, PÉTUR THOMSEN, KATRIN ELVARSDÓTTIR sowie dem Fotokünstler und Filmemacher SPESSI.

 

SPESSI „The Tree“, 2006, aus der Serie „Location“ © Spessi

 

Die drei Künstlerinnen der ICELANDIC LOVE CORPORATION kombinieren in ihrem Werk MOTHER EARTH Land Art und Fotografie. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist eine Landschaftsskulptur in Form einer dreieckigen Play-Taste, die anschließend über einen längeren Zeitraum von einer automatischen Kamera abfotografiert wird. Die entstandenen Fotografien dokumentieren, wie die kreativen und destruktiven Kräfte der Natur das Aussehen der Skulptur immer wieder verändern. Die Künstlerinnen sind dafür bekannt, dass sie in ihren Arbeiten verschiedene künstlerische Ausdrucksformen zusammen bringen und dadurch etwas Neues schaffen, das gleichsam verspielt wie ironisch mit Klischees und Hierarchien bricht.

 

 ICLANDIC LOVE CORPORATION Aus der Serie “Mother Earth“, 2005 © Icelandic Love Corporation

 

Ebenfalls im FRANKFURTER KUNSTVEREIN: RAGNAR KJARTANSON. ENDLOSE SEHNSUCHT, EWIGE WIEDERKEHR. Im Zentrum von Ragnar Kjartansons (geb. 1976) Arbeiten steht das Moment der Wiederholung. In andauernden Zeitschleifen sowie sich ständig wiederholenden Versatzstücken und Erzählfragmenten provoziert er beim Betrachtenden ein Gefühl des Trotzens, des Durchhaltens und des Überwindens einer scheinbar endlosen Odyssee. Der Betrachter kann sich der Situation nur schwerlich entziehen und erst die eigene Erschöpfung ermöglicht den Ausbruch aus der Routine.

 

RAGNAR KJARTANSSON “The Man“, 2010, HD Video, 49 min, Photo: Tómas Örn Tómasson, Courtesy of the artist, i8 Gallery, Reykjavik and Luhring Augustine, New York

 

RAGNAR KJARTANSSON “The Great Unrest“, 2005, Installation und Performance im Rahmen der Ausstellung „Life Time, Material Time, Work Time“, Photo: Fridrik Örn

 

 

 

Die SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT zeigt bis zum 08. Januar 2012 Werke der isländischen Multimediakünstlerin GABRÍELA FRIÐRIKSDÓTTIR und des isländischen Künstlers ERRÓ.

 

Unter dem Titel CREPUSCULUM (lat. Dämmerung, Abendrot) schafft die isländische Künstlerin GABRÍELA FRIÐRIKSDÓTTIR einen mystischen Raum, in dem sich mittelalterliche isländische Handschriften, geheimnisvolle Zeichensysteme sowie Film- und Klanginstallationen zusammenfügen. Eigens für die Schirn komponiert, wird der Besucher in ein mystisches Raumgefüge entführt, das seine Geheimnisse in der Zwischenwelt von Tag und Nacht und von Hell und Dunkel verbirgt. FRIÐRIKSDÓTTIR erschafft Film- und Raumkunstwerke voller gemäldehafter Anmut und exzentrischer Fantasie. Sie fügt verschiedene Sinnebenen zusammen und eröffnet kaum fassbare Sinn- und Erlebniswelten, die einen magisch in Bann ziehen.

 

GABRÍELA FRIÐRIKSDÓTTIR “Crepusculum”, 2011, Videostill, Courtesy of the artist © Schirn Kunsthalle Frankfurt

 

GABRÍELA FRIÐRIKSDÓTTIR “Crepusculum”, 2011, Videostill, Courtesy of the artist © Schirn Kunsthalle Frankfurt

 

GABRÍELA FRIÐRIKSDÓTTIR “Crepusculum”, 2011, Videostill, Courtesy of the artist © Schirn Kunsthalle Frankfurt

 

Ferner bis zum 08. Januar 2012 in der Frankfurter Schirn: ERRÓ. PORTRÄT UND LANDSCHAFT. Die Werke des 1932 in Island geborenen Künstlers bewegen sich zwischen Surrealismus und Pop Art. In seinen Arbeiten benutzt ERRÓ Comic- und Science-Fiction-Elemente und schafft auf den Punkt gebrachte Ein-Bild-Geschichten, die sich oftmals mit der modernen Welt, ihrer Technisierung und der menschlichen Entfremdung auseinandersetzen. Gezeigt werden Werke aus der Porträtserie, in der er bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft mit zwei unterschiedlichen Gesichtshälften darstellt sowie Werke aus seiner Landschaftsserie, in der er aus unzähligen, zusammengesetzten Miniaturen eines bestimmten Gegenstands, wie beispielsweise Flugzeuge oder Süßigkeiten, eine Landschaft entstehen lässt.

 

 

ERRÓ “Loren”, 1968, Öl auf Leinwand, Privatsammlung © VG Bild-Kunst

 

ERRÓ “Planescape”, 1970, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Bern © VG Bild-Kunst

 

 

 

 

ISLAND ZU BESUCH IN FRANKFURT

 

Bis zum 16.10.2011 im Frankfurter Kunstverein:

"GRENZEN ANDERER NATUR. ZEITGENÖSSISCHE FOTOKUNST AUS ISLAND" & "RAGNAR KJARTANSON. ENDLOSE SEHNSUCHT, EWIGE WIEDERKEHR"

 

Bis zum 08.01.2012 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt:

"GABRÍELA FRIDRIKSDOTTIR" & "ERRÓ. PORTRÄT UND LANDSCHAFT"

 

GEHEIMTIPPS: ISLÄNDISCHE KLANGKUNST

"ÓLAFUR ARNALDS" am 11.10.2011 im Düsseldorfer Schuhmannsaal &

"FM BELFAST" am 03.12.2011 in der Kölner Werkstatt

 


05.10.2009 10:35 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Ausblick/Feb —

Wolfsburg. Die Kunst der Entschleunigung

von Maren Ackenhausen

Troisdorf. Findet Nemo!
von Nathalie Dimic

Düsseldorf. Fotografie für alle!
von Nathalie Dimic

Herford. Es ist nicht alles Gold, was glänzt!
von Maren Ackenhausen

Köln. Drei, Zwei, Eins - Meins!
von Nathalie Dimic

Startseite —

Anzeige —

Eiskellerwerk —

Kris Martin
Christine Streuli
Pedro Cabrita Reis
Elizabeth Peyton
Nicola Costantino
Norbert Tadeusz
Björn Dahlem
Fabian Marcaccio
Steiner & Lenzlinger
Thomas Schütte
Billy Childish
Isabella Rosselini

Demnächst —

Kasper König
Hartmut Neumann
Lothar Baumgarten
Monika Stricker 

Über uns —

Navigation überspringen
  • eiskellerberg.tv
  • Impressum
 

Spenden —

Kunstvermittlung ist Kunstförderung. Hilf mit, unseren Radius zu erweitern, die Arbeit fortzusetzen und langfristig kostenlos zugänglich zu bleiben! 


Flattr this

Kommunikation —

eiskellerberg.tv auf facebook besuchen
eiskellerberg.tv als RSS feed
Brief an die Redaktion
Newsletter bestellen