▶ Die Welt in einem Museum
Das Victoria & Albert zu Besuch in Bonn
von Nathalie Dimic
Betritt man das Londoner Victoria & Albert Museum, begibt man sich auf eine Reise durch verschiedene Epochen, Länder, Kulturen sowie ihren gestalterischen und künstlerischen Ausdrucksformen: Skulpturen, Gobelins, Seiden-, Porzellan- und Silberarbeiten, Schmuck, Textilien, antiquarische Möbel und vieles, vieles mehr. Versuchte man den beeindruckenden Bau an der Cromwell Road mit seinen zahlreichen repräsentativen Galerien, Sälen, Höfen und Gängen allesamt zu durchlaufen, so käme man auf sage und schreibe 15 Kilometer Kunst- und Kulturgeschichte.
Das V&A gilt als die Mutter aller Museen. Es birgt die weltweit größte Sammlung von Kunstgewerbe und Design. Die Entstehung lässt sich auf die erste Weltausstellung zurückführen, die Londoner Exhibition of the Works of Industry of All Nations im Jahr 1851, die von Prinz Albert initiiert wurde und im sogenannten Kristallpalast im Londoner Hyde Park stattfand. Nach dem großen Erfolg der Weltausstellung eröffnete Königin Victoria 1857 das South Kensington Museum, die Vorgängerinstitution des V&A. Bereits bei der Gründung galt das Museum als vorbildhafte und publikumsorientierte Bildungseinrichtung, deren Maxime, das Sammeln, Bewahren und Vermitteln von historischen wie zeitgenössischen, heimischen wie exotischen, profanen wie sakralen Kunst- und Kulturgütern noch heute so bestehen. Die unterschiedlichen Sammlungen des V&A sollten nicht nur zu einer Verbesserung der ästhetischen Qualität britischer Manufaktur- und Industrieprodukte führen, sondern auch als Schule des öffentlichen Geschmacks dienen.
Die Kunst- und Ausstellungshalle Bonn widmet nun dem V&A eine eigene Ausstellung. Unter dem Titel „Art and Design for All. The Victoria & Albert Museum“ werden über 400 Objekte aus der Londoner Sammlung gezeigt, anhand derer die ursprünglichen Sammlungsschwerpunkte des V&A rekonstruiert und die innovativen Momente der Entstehungsgeschichte illustriert werden.
Eine Ausstellung über ein Museum. Gut, nicht über irgendein Museum, sondern über eine „Mutter aller Museen“ und ja, auch ich bin eine große Bewunderin des V&A und verliere mich immer wieder voller Verzückung in dessen weiten Sälen und Galerien. Nichtdestotrotz bereitet mir die Ausstellung über das V&A leichtes Unbehagen. Wie wollte man auch 15 Kilometer Kunst- und Kulturgeschichte transportieren? Wie möchte man 160 Jahre Museumsgeschichte präsentieren? Und wie könnte man den Zauber dieses Ortes auch einfangen?
Es ist ein ehrgeiziges Vorhaben, die Geschichte des V&A zu rekonstruieren und nach Bonn zu bringen. Aber die Bundesausstellungshalle ist nicht das V&A und aller großen Bemühungen, interaktiven Kartenansichten und dreidimensionalen Rekonstruktionen zum Trotz, habe ich nicht das Gefühl, das Wesen des V&A aufzuspüren oder nachfühlen zu können. Ich lerne allerhand über die Entstehungsgeschichte, historische Daten und manche Begebenheit. Aber der ganz besondere Charme, das Flanieren durch die Kunst- und Kulturgeschichte, sowie ein Verlieren in Raum und Zeit – das alles ist weder transportierbar noch ersetzt die Bonner Schau gar den Besuch des Londoner Victoria & Albert Museum.
ART AND DESIGN FOR ALL. THE VICTORIA AND ALBERT MUSEUM
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
18.11.2011 bis 15.04.2012
02.12.2009 09:36 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen











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