▶ Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

von Maren Ackenhausen

 

 

Friederike von Rauch, Ash 03, 2010, Piezo Pigment Print auf Hahnemühlen Büttenpapier, kaschiert auf Alu-Dibond, 150 x 150 x 4cm, Galerie FELDBUSCHWIESNER, Foto: Friederike von Rauch Thomas Demand, Bullion, 2003, Chromogen Druck / Diasec, 42 x 60 cm, Sammlung Reydan Weiss, Foto: Sprüth Magers, Berlin London, © VG Bild Kunst, Bonn 2012

 

Das Thema Gold hat gegenwärtig Konjunktur in den Ausstellungshäusern, wie C. F. Schröer bereits in „Gold steigt“ bemerkte. Den Einsatz des Edelmetalls Gold und seine Verwendung in der zeitgenössischen Kunst zeigt das Untere Belvedere in „Gold“ in Wien ab Mitte März. Ab Ende Februar greift das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster die „Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“ auf und auch im Lehmbruck Museum in Duisburg wird die ästhetische und kunsthandwerkliche Seite des Goldes beleuchtet, in Form von Schmuck, entworfen durch den Goldschmied und Künstler Georg Hornemann. Gold ist plötzlich an vielen Orten angekommen und vor allem in Nordrhein-Westfalen hat das Thema große Relevanz: So präsentiert auch das MARTa in Herford seit dem vergangenen Freitag „Asche und Gold – Eine Weltenreise“. 

 

Erstaunlicherweise sind die Assoziationen zu Gold wesentlich präsenter als jene zu Asche, obwohl die Ausstellungsmacher die Asche voran stellen. Alle reden über Gold und erst an zweiter Stelle von Asche. Das Streben des Menschen nach Reichtum und Sicherheit – auch wenn es viele Schattenseiten hat – ist womöglich leichter zu erklären, als die Auseinandersetzung mit zerfallener Materie, die automatisch zum Gedanken an unser aller Vergänglichkeit führt. Es haftet der Asche zunächst etwas Schmutziges, Staubiges an, obwohl sie doch auch Erneuerung, Reinigung und Wiedergeburt bedeuten kann. 
Asche und Gold muten auf den ersten Blick wie ein Gegensatzpaar an, das nur schwer im Dialog zu sehen ist. MARTa umgeht bewusst eine systematische Anordnung des Themas und vermischt künstlerische Positionen von Joseph Beuys bis Richard Wright mit weniger bekannten Gegenwartskünstlern. Dabei bieten die beiden Materialien nur den Einstieg ins Kunstwerk, um den BetrachterInnen ein Eintauchen in diese Werke, jenseits ihrer reinen Materialität, zu ermöglichen. 


 

Gereon Krebber, AS IF THERE WAS A TOMORROW, 2011, verbranntes Holz, 22 Segmente, Rauminstallation, unterschiedliche Maße, einzelne Panele sind zwischen 2,60 und 4,00 hoch, © Gereon Krebber; Courtesy Galerie Christian Lethert, Köln

 

Ein Thema mit sehr aktuellen Bezügen: Gold kann so vieles sein und erinnert immer wieder daran, dass unsere Welt oft vom Streben nach Macht und Herrschaft bestimmt ist. Möglichst viele materielle Dinge im Laufe seines Lebens anzuhäufen und doch am Ende nichts davon mitnehmen zu können. Das ist die Krux der Geschichte.

Das ausgewählte Material spiegelt in den Werken manchmal einen Schein wider, der mit unserer Verblendung spielt. Wenn Félix González-Torres einen Berg Bonbons, die in goldenes Cellophan eingewickelt sind, ausdrücklich zum Verzehr für den/die BesucherInnen frei gibt, spielt er sowohl mit der Wertigkeit des Kunstwerks als auch mit der des Materials. In einer vergoldeten Schale von Anish Kapoor sieht man sein Selbst plötzlich völlig verzerrt und auf dem Kopf stehend, während mitten im selben Raum ein umgekippter Müllcontainer mit verbrannten Holzresten von Navid Nuur steht. Beide Werke gehen eine ungewöhnliche Symbiose ein. Deutlich wird immer wieder, was wertvoll ist, ist Verhandlungssache und auch das, was unserer Meinung nach einen festgesetzten Wert besitzt, hat oftmals eine Kehrseite, wie 1 KG War von Subodh Gupta verdeutlicht.


 

 

David Hammons, Chasing the Blue Train, 1989, Unterschiedliche Medien / Materialien, variabel, © der Künstler / S.M.A.K., Gent, Foto: Dirk Pauwels

 

 

Asche und Gold bestimmen Natur und Kultur, ob durch Naturgewalten, wie vor zwei Jahren der Ausbruch des Eyjafjallajökull mit seinen unermesslichen Aschewolken, zu sehen in den Fotografien Friederike von Rauchs oder durch die persönliche Adaption von Legenden, wie im Falle von Pawel Althamers Der Goldene Ritter.


 

Die Ausstellung wirft viele Fragen auf und führt die BetrachterInnen auf einen sinnlichen Weg durch Labyrinth und Raum. Es werden aber nicht immer Antworten gefunden, sollen es auch gar nicht. Die persönlichen Interpretationen und die Auseinandersetzung eines jeden Einzelnen stehen im Vordergrund, und das Gegenüber bzw. das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Materialien: Es ist also keinesfalls aschfahl in Herford, sondern es strahlt weit darüber hinaus.

 

 

 

Asche und Gold – Eine Weltenreise

bis zum 22. April 2012 im MARTa Herford


Künstler und Künstlerinnen:

Pawel Althamer, Gili Avissar, Massimo Bartolini, Lore Bert, Joseph Beuys, Guillaume Bijl, Marcel Broodthaers, James Lee Byars, Jacques Charlier, Paolo Chiasera, Anja Ciupka, Thomas Demand, Igor Eskinja, Luka Fineisen, Lucio Fontana, Michel François, Gilbert & George, Félix González-Torres, Filip Gilissen, Subodh Gupta, David Hammons, Douglas Henderson, Andy Hope 1930, Rebecca Horn, Alfredo Jaar, Anish Kapoor, Yves Klein, Stefanie Klingemann, Jannis Kounellis, Gereon Krebber, Bruno Krenz, Marie-Jo Lafontaine, Maik und Dirk Löbbert, Heinz Mack, Yaël Nazé, Louise Nevelson, Navid Nuur, Wolfgang Paalen, Mimmo Paladino, Otto Piene, Sigmar Polke, Friederike von Rauch, Man Ray, Erich Reusch, Gerhard Richter, Reiner Ruthenbeck, Jürgen Stollhans, Ines Tartler, hermann de vries, Andy Warhol, Lawrence Weiner, Claudia Wieser, Richard Wright

 

 

 

Maik und Dirk Löbbert, Madonna mit goldenen Händen, 2011, 48 x 19 cm, Kunstharzguss und Vergoldung – Besitz der Künstler, © VG Bildkunst, Bonn 2012, Foto: Timm Löbbert Pawel Althamer, Der Goldene Ritter, 2010, Goldguss, Unikat, 14 Karat Gold, 18 x 9 x 6 cm, Privatsammlung, Wien, Foto: Michael Goldgruber, © VG Bildkunst, Bonn 2012

 


01.02.2009 16:32 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen

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