▶ Fischers neue friends
Revirement im Folkwang Museum. Fischer, Schmidt, Eskildsen gehen. Hayduk, Ramin, Schumacher sind schon da
„Ich freue mich außerordentlich“, kommentiert Sabine von Schorlemer, Kunstministerin des Freistaats Sachsen, ihren Fang. Hartwig Fischer wird das Essener Museum Folkwang überraschend verlassen, um schon ab dem Frühjahr 2012 neuer Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu werden. Dort wird der 1962 in Hamburg geborene Kunsthistoriker mit Promotion über den Dresdner Maler Hermann Prell, gleich zwölf Museen vorstehen. „Ich bin mir sicher, Dr. Fischer wird die bisher außerordentliche Entwicklung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in den nächsten Jahren weiter befördern und seinen umfangreichen Erfahrungsschatz bereichernd einsetzen,“ lobt sich und ihn die Kunstministerin. Fischer wird sich im Freistaat Sachsen bestens aufgehoben wissen, ist Sachsen doch das einziges Bundesland, daß sich einen Kunstminister leistet.
Fischer war erst 2006 nach Essen gewechselt und hatte sich dort vor allem als ein Mann profiliert, der den Folkwang Neubau - zwischen dem Architekten David Chipperfield und dem Bauherrn Berthold Beitz mit begnadetem diplomatischen Geschick moderierend - zu einem weithin strahlenden Ereignis werden liess. Das ist knapp zwei Jahre her. Auch Leuchttürme werfen Schatten. Die Stadt Essen sieht sich nicht imstande, ihr Museum mit einem entsprechenden Ausstellungs- und Ankaufsetat auszustatten. Von Personalquerelen blieb auch das neue Folkwang nicht verschont und überdies ist nach der Eröffnung ein rapider Besucherschwund zu verzeichnen.
„Ein Gewinn für Dresden!“, da ist sich der Essener Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) sicher, ist der Abgang von Fischer allemal. Der OB, zugleich Vorsitzender des Kuratoriums des Museum Folkwang, verspricht eine „zügige Nachfolge“. Die Entscheidung liegt beim Folkwang-Museumsvereins, der seit 1922 zusammen mit der Stadt Essen die Sammlung des Folkwang Museum besitzt. Vorsitzender hier ist Achim Middelschulte, ein erfahrener Manager, der es schon in Düsseldorf den Museumsleuten von Kunstpalast nicht unbedingt einfach gemacht hat. Middelschulte läßt auch in Essen erkennen, woran ihm gelegen ist, wenn er Fischer als Mann lobt, "der große, anspruchsvolle Ausstellungen zu überragendem Erfolg führen kann."
Knapp zwei Jahre nach der Wiedereröffnung des Museum Folkwang kommt es mit Fischers Wechsel an die Elbe zu einem überraschenden wie umfassenden Revirement in der Leitungsebene des Essener Museums. Drei wichtige Positionen wurden neu besetzt, während Fischers schon mit Dresden verhandelte. Der Vertrag von Sabine Maria Schmidt wurde nicht verlängert. Neuer Kurator für Zeitgenössische Kunst wird ab Januar 2012 der Kunst- und Architekturhistoriker Marcel Schumacher sein. Schon seit September leitet Doerthe Ramin die Abteilung Kommunikation, die jetzt alle kommunikativen Aufgaben - Presse, Marketing, Internet und Besucherkommunikation - umfasst. Ihre Stelle wird von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung bezahlt. Hanna Hayduk ist seit dem 1. November neue Kuratorin für Forschung, wissenschaftliche Kooperation und Entwicklung. Diese Stelle, die erste dieser Art an einem deutschen Kunstmuseum, wurde geschaffen, um die Vernetzung mit Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Region sowie im In- und Ausland voranzubringen.
Auch die Leitung der Fotografischen Sammlung muß neu bestimmt werden. Der Sammlungsschwerpunkt Fotografie wurde schon 1978 als eigenständige Abteilung im Museum Folkwang eingerichtet, die auf den Fotografen und Folkwang-Lehrer Otto Steinert zurückgeht. Seit 1979 leitet Ute Eskildsen diese Abteilung. Die Ausstellung „Der Mensch und seine Objekte“ wird ihre letzte sein. Eskildsen wird nach 33 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet. Schwerpunkte der Fotografischen Sammlung liegen in den 20er und 30er, sowie 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Auch das 19. Jahrhundert ist mit herausragenden Positionen vertreten. Das Sammlungsgebiet beinhaltet die künstlerische, dokumentarische und berichtende Fotografie, thematische Schwerpunkte sind die Darstellung des Menschen und der Architektur. Heute umfasst die Sammlung mehr als 60.000 Fotografien, überwiegend Vintage Prints, des 19. bis 21. Jahrhunderts von 1.300 Bildautorinnen und -autoren. Der Folkwang Museumsverein steht vor einer Bewährungsprobe.
C. F. Schröer
Der Mensch und seine Objekte. Fotographische Sammlung/Museum Folkwang
25. Feb. bis 29. April 2012
28.01.2012 17:00 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen









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