▶ Gold steigt
Georg Hornemann - die Ausstellung zur Saison im Lehmbruck Museum Duisburg
Einladungen werfen ihre Schatten voraus. Dieser Tage erreichte uns eine dreifaltige Prunkklappkarte aus Duisburg. Tiefschwarz ihr Deckel, ominös ihr Inhalt. Darauf prangt in erhabenen Goldlettern wie auf einem Sargdeckel des Meisters Name: Georg Hornemann. Ach! Merken wir auf: Der Kö-Juwelier aus Düsseldorf erhält eine Einzelausstellung im Lehmbruck Museum. War das nicht mal ein führendes Museum, zumal für die internationale Skulptur der Moderne? Wie lange ist das her? Moderne? Jedenfalls Vorloveparadezeit. Die schönen Schmuckstücke aus dem Hause Hornemann, all die Ringe, Broschen, niedlichen Tierplastiken, seine „Creatures“ eben, werden im Lehmbruck Museum zu „Objets d´art“ geadelt, versteht sich.
Zur Eröffnung (9. Feb. 19.00 Uhr) sprechen Raimund Stecker und Markus Lüpertz. Stecker ist seit 2009 Direktor in Duisburg und es ist seine erste große Ausstellung, die er für das Lehmbruck kuratiert. Lüpertz ist Hornemann Kunde seit besseren Tagen und bezieht exclusiv bei Hornemann die Totenköpfe seiner Gehstöcke und Ringe. Dazu wäre sicher was zu sagen. Warten wir es ab. Als Beigabe auf der Einladungskarte grüsst uns Gwion, ein tanzendes Skelett, aus purem Gold (750/000), knapp 20 Zentimeter hoch, ein Quentchen Morbidezza, ein kleines bißchen Gruselkammer, und ein großes bißchen Damien Hirst.
Was Stecker über Hornemann zu sagen hat, steht mit Ausrufezeichen in der Klappkarte: „Georg Hornemann ist Goldschmied!“ und damit leider nicht genug. Mit Albrecht Dürer, Martin Schongauer, Andrea del Verrocchio und Benvenuto Cellini werden die Geister wachgerufen, mit denen sich Georg Hornemann nun messen will. Hornemann ist laut Stecker „Künstler, Bildhauer, Erfinder, dem Konventionen lediglich zu überwindende Barrieren bedeuten ... und Fantast.“ Fein ziselierte Sätze lesen wir da: „Oberflächen fungieren dabei als Deckmäntel für Verborgenes, und Geborgenes wird eingebracht in eine Welt des aufgrund edelster Materialen Schutzbefohlenen.“ Steckers Wortschmiedekunst und Deckmantelsätze in Ehren. Aber hätte Hornemann es nicht besser verdient? Etwas weniger geschmeidig?
Seit 1973 arbeitet Georg Hornemann - 1940 wurde er in Dessau geboren – als selbstständiger Goldschmied. Der Schüler des großen Düsseldorfer Juweliers Wheyersberg eröffnete 1982 auf der Königsallee 46 sein Geschäft. Heute ist er der einzige Juwelier, der auf der Königsallee verblieben ist. Schon das zeugt vom Niedergang des einstigen Prachtboulevards. Was Hornemann in seinem Laden an Schmuck und Preziosen anbietet, stammt ausschliesslich aus seiner Goldschmiedewerkstatt, die sich auf drei Etagen über dem Ladenlokal ausdehnt. Fünfzehn Mitarbeiter beschäftigt das Familienunternehmen Hornemann heute, elf davon sind Goldschmiede. Die Ringe, die in Duisburg ausgestellt werden Kosten zwischen 8.000 und 100.000 Euro. Die Kleinplastiken, Tier, Skelette, allesamt Unikate, sind für 15.- 25.000 Euro erhältlich. Eine Gruppe wie „Powys und Elmet“ kommt auf 50.000 Euro.
Gold steigt und ist als Krisenmetall derzeit unschlagbar. Das haben auch die gebeutelten Ausstellungshäuser und Museen mitbekommen. Alles setzt auf Gold. Was die kulturhistorischen Ausstellungen – Gold der Azteken, Gold der Traker, Gold der Skyten schon vor Jahren vormachten, ist nun in den Häusern der Gegenwartskunst angekommen.
C. F. Schröer
● „Asche und Gold. Eine Weltenreise“ im Marta Herford. 28.1. bis 22.4.2012, Gehry Galerien. Die Eröffnung ist am Freitag, den 27. Januar, um 19.30 Uhr
● „Gold“. Dem Edelmetall Gold und dessen Einsatz in der zeitgenössischen Kunst widmet sich eine Sonderausstellung in Wien in den Räumen des Unteren Belvedere, der Orangerie und des Prunkstalls. 15.3. bis 17.6.2012
● „Goldene Pracht“. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“ im LWL-Landesmuseum und der Domkammer, Münster. 23. 2. bis 28.5. 2012
26.01.2012 15:00 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen
















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