▶ Malerei der ungewissen Gegenden
Menschliche Figuren in ungewissen Gegenden
von Nicolas Stiller
Der Römerberg in der Frankfurter Innenstadt zählt zu den wenigen touristischen Höhepunkten der Bankenmetropole. Hier lädt der örtliche Kunstverein derzeit dazu ein, mysteriöse Mischwesen in modernen Weltlandschaften zu beobachten. Ganz im Gegensatz zu den dargestellten Kunst-Gegenden lässt sich der Ursprung der hier unter romantisch-verschwurbelter Titelgebung gezeigten malerischen Positionen, jedoch auf Anhieb in und um die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchdruck herum verorten.
Gleichwohl man sich öffentlichen Erklärungen zufolge gerade des Verdachts übermäßiger Marktgängigkeit, wie er den hier vertretenen magisch-realistischen Tendenzen anhaftet, als Problem bewusst ist, stellt sich in Anbetracht der Arbeiten von Susanne Kühn, Tilo Baumgärtel, Hannes Michanek und Antje Majewski eher die Frage, ob entsprechende Vorurteile nicht eher bestätigt als entkräftet werden. Ein gemeinsamer Nenner innerhalb des Gesamtprogramms lässt sich dabei in der Darstellung von Menschen oder besagter Hybridgeschöpfe finden, welche in traumhaften Landschaften oder Räumen rätselhaften Situationen beiwohnen. Solche finden sich bei Tilo Baumgärtel in filmartigen Settings wie schummrigen Hinterhöfen oder verwunschenen Stränden wieder, während Susanne Kühn sie innerhalb architektonisch verschachtelter Innen- und Außenräumen auftreten lässt, die vor formaler Überfrachtung fast zu kollabieren drohen.
Kunsthistorische Zitate z.B. Jan van Eycks, Sandro Boticellis oder Rogier van der Weydens, wie sie in ihren Werken weiterhin eine Rolle spielen, bilden wiederum eine Entsprechung zu den kleinteilig fragmentierten, mit einsamen Figuren bevölkerten Stadt- und Landansichten Hannes Michaneks, innerhalb welcher ein Bezug zur barocken Ideallandschaft hergestellt werden soll.
So wie die Werke Antje Majewskis, welche in ihrer fotorealistischen Malerei sowie in Video und Performance das Motiv des Tanzes als Ausdruck psychologischer und spiritueller Thematiken verwendet, vermitteln auch Michaneks Arbeiten den Eindruck extrem manierierter Bildmaschinen, deren Sinngehalt in umgekehrter Proportion zu ihrer Inhaltsfülle steht. Zweifelsfrei weisen sämtliche hier gezeigten Bilder eine beachtliche technische Qualität auf, deren ästhetischen Reizen sich hinzugeben dem Besucher überlassen bleibt. Freunden der neuen Leipziger Schule sei diese Ausstellung daher ausdrücklich empfohlen. Ob gerade sie allerdings dazu eignet ist, dem „Fetischcharakter“ figurativer Malerei Einhalt zu gebieten, erscheint in diesem Zusammenhang jedoch mehr als fraglich.
Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
60311 Frankfurt am Main
Ausstellungsdauer:
27. Juli – 16. September
Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag und Freitag 11-18 Uhr
Mittwoch 10-20 Uhr
Samstag und Sonntag 10-19 Uhr
Montag geschlossen
13.08.2010 16:06 (Kommentare: 0) | Weiterempfehlen






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