Begehrter denn je

NEW POSITIONS auf der ART Cologne

Junge Kunst hat es schwer auf dem internationalen Kunstmarkt. Da ist das Förderprogramm NEW POSITIONS, das ausschließlich auf der Art Cologne läuft, eine wichtige Hilfe

Jeder der ausgewählten 22 jungen Künstler erhält 25 Quadratmeter für eine Einzelpräsentation auf der bedeutendsten Kunstmesse Deutschlands. Unter über fünfzig Galerien, die sich mit ihren Jungster beworben haben, wählte einen Fachjury unter Vorsitz von Christiane Dinges 22 neue Positionen aus. Die Preise für die Kunstwerke soll in der Regel 5000 Euro nicht übersteigen.

 

eiskellerberg.tv unterstützt das Förderprogramm in diesem Jahr mit einem sportlichen Überblick über zehn der NEW POSITIONS. Die Aufgabe bestand darin, in jeweils 60 Sekunden ihre aktuelle Arbeit vorzustellen. Die Zuschauer können sich ein Bild davon machen. Was ist die bessere Leistung : Ihr verbaler Beitrag, oder ihre Arbeit in den Förderkojen? Anschließend stellten sich die Künstlerinnen und Künstlern der entscheidenden Frage: „Was ist neu?“

 

Das Förderprogramm NEW POSITIONS wurde bereits 1980 vom Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. (BVDG) ins Leben gerufen. Junge Künstler erhalten damit die Möglichkeit, ihre Kunst neben den Ständen ihrer Galeristen in eigens eingerichteten Förderkojen zu präsentieren.

Der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM), das Land NRW, die Koelnmesse und der Bundesverband Deutscher Galerien (BVDG) stellen die finanziellen und administrativen Mittel für das Förderprogramm zur Verfügung. Einer der teilnehmenden Künstler wird im Laufe der Messe zusätzlich mit dem AUDI Art Award für die NEW POSITIONS ausgezeichnet. Der Preis beinhaltet neben einer Einzelausstellung in der Kölner artothek eine Katalog-Veröffentlichung im Gesamtwert von 10. 000 Euro. Der diesjährige Preisträger ist Zbynek Baladrán, der von der Galerie Jocelyn Wolff aus Paris vorgestellt wird.

 

In verschiedenen Medien - Bildhauerei, Malerei, Performance, Installation - drückt sich Bo Christian Larsson (Bo Bjergaard, Kopenhagen) aus. Er entführt die Betrachter in seinen Gemälden und labyrinthisch angelegten Rauminstallationen in eine mythisch-geheimnisvolle Welt voller Symbole und Referenzen. Larsson spielt in seinem Schaffen mit den Beziehungen zwischen Innen und Außen, Bewusstsein und Unbewusstem. Durch die Kombination unterschiedlichster Materialien und Gegenstände entstehen bedrohlich wirkende Seelenlandschaften, die physisch erfahrbar werden. Jonas Lipps (Ben Brown Fine Arts, London/Hongkong) hat sich der Aquarellmalerei verschrieben. In rascher Folge, wie Momentaufnahmen, entstehen die meist kleinformatigen Bilder auf unterschiedlichem Papier, so zum Beispiel auf Werbezetteln von Umzugsunternehmen. Sie basieren zum Teil auf Fotografien und Erinnerungen. Manche haben einen erzählerischen Charakter, andere sind fragmentarisch-flüchtig. Landschaften, Porträts, Stillleben und andere Motive treten auf. Lipps Aquarelle sind zwischen Karikatur, kindlich-naiver Zeichnung und Skizzenbuch angesiedelt. Ausgangspunkt des malerischen Werks von Matthieu Ronsse (Luis Campaña, Berlin) sind altmeisterliche Porträts, aber auch Akte, Interieurs und Stillleben. Seine freien Adaptionen mit unterschiedlichen Malmitteln wie Pigmenten, vorgefertigten Farben, Industrielacken, Staub und Asche setzen sich fort in motivischen Erweiterungen, die bis zu vollständigen Übermalungen reichen, sowie Skulpturen und installativen Inszenierungen. Dylan Bailey (David Nolan, New York) läßt Zahlen tanzen, die er mit Lackfarbe aufsprüht, wie kosmische Erscheinungen über den Malgrund.

 

An der Schnittstelle zwischen Skulptur und Architektur bewegt sich das Werk von Erika Hock (Cosar HMT, Düsseldorf). Ihre Objekte lassen sich als Mikroarchitekturen lesen, die auf noch zu realisierende Baukörper verweisen, und haben oft einen spielerischen Charakter. Ihre Installationen können ebenso Hommage sein wie Karikatur. Dabei kommen unterschiedlichste Materialien zum Einsatz. Mit visionären skulpturalen Konstruktionen befasst sich Kai Schiemenz (EIGEN+ART, Berlin/Leipzig). Sie changieren zwischen Skulptur, Modell und Architektur und erinnern häufig an miniaturisierte Stadien, Arenen und Aussichtstürme. Fast immer haben die Werke, die als Skulptur wie als Pavillon funktionieren, performativen Charakter und eine soziale Funktion. Trotz der historischen Bezüge sind die oft aus Sperrholz und Dachlatten gefertigten Großmodelle eindeutig zeitgenössisch. Materialien des Städtebaus wie Asphalt und Beton, Stahl, Marmor und Terrazzo sind die Werkstoffe des Bildhauers Mirko Tschauner (Jahn, München). Aus ihnen fertigt er einfache Formen, deren Schwere durch die lässig und beiläufig wirkende Anordnung scheinbar relativiert wird. Die materialimmanente Analogie zu Bauwerken nutzt der Künstler zur Beschreibung urbaner Realität und gesellschaftlicher Zustände.

Ebenso fantasievoll wie autonom ist die Formensprache der Bildhauerin Charlotte Mumm (Tanit, München/Beirut). Stoff, Gummibänder, Silikon, Bauschaum, Epoxydharz und andere Materialien kommen zum Einsatz bei Objekten und Figuren, die viele Referenzen zur Kunstgeschichte aufweisen und oft durch Seherfahrungen inspiriert sind, die die Künstlerin bei der Erkundung fremder Orte gemacht hat.

Auch Kevin Harman (Ingleby, Edinburgh) greift auf Fundstücke und wertlose Abfallmaterialien zurück, um daraus poetisch-rätselhafte, provozierende oder humorvolle Installationen und Skulpturen zu kreieren; ähnlich wie Valentin Ruhry (Christine König, Wien), der als Künstler, Ingenieur und Bastler in einer Person aus einem luftgefüllten Gummischlauch, einer Glühbirne und etwas Draht ein Ufo baut. Steckdosenleisten und Dimmer verbindet er zu einer pulsierenden Lichtleiste. Ruhry ist ein Objektkünstler neuen Stils, der aus unscheinbaren Gebrauchsgegenständen spielerisch Neues kreiert und dabei auch hintersinnigen Witz beweist. Ausgangspunkt der Arbeiten von Daniel dos Santos (Nagel Draxler, Köln/Berlin) sind oft gefundene und auf den ersten Blick beliebig zusammen gewürfelte Materialien, wie sie im Baumarkt und im Künstlerbedarf zu haben sind. Die daraus geschaffenen Skulpturen pendeln zwischen Readymade und Postminimalismus. Justin Matherley (Johann König, Berlin) konterkariert in seinem bildhauerischen Schaffen monumentale Denkmäler. Auf edle Materialien wie Bronze und Marmor antwortet er mit Beton und Metallkrücken. Statt klassischer Proportion zeigt er verrenkte Körper, die wie amputiert wirken.

 

Die russisch-britische Künstlerin Yelena Popova (Figge von Rosen, Köln) malt, zeichnet und filmt. Sie setzt diese Medien etwa bei der Auseinandersetzung mit einer geheim gehaltenen radioaktiven Kontamination ihrer Heimatstadt ein, etwa indem sie Vogelzeichnungen aus einem ornithologischen Bestimmungsbuch Verformungen und Mutationen hinzufügt. Mit performativen und installativen Arbeiten in Kunsträumen und im öffentlichen Raum hat Schirin Kretschmann (Jochen Hempel, Leipzig) Aufsehen erregt. Sie bedient sich dabei alltäglicher Materialien, die sie unter Einsatz von Licht und Farbe atmosphärisch verdichtet. So benutzt sie etwa Eisblöcke, auf die sie Videos projiziert, und auf diese Weise in einen langsam zerfließenden Leuchtkörper verwandelt.

Die aus Polen stammende Künstlerin Patrycja German (Bernd Kugler, Innsbruck) zeigt auf der ART COLOGNE ihre interaktive Langzeit-Performance 'Kartenlegen', bei der sie Besucher einlädt, sich von ihr gegen Bezahlung die Karten legen zu lassen. Im Anschluss an die Performance entstehen Fotografien des Settings, die einen Tisch, zwei Stühle und eine Lampe zeigen und an Aufnahmen von Tatorten erinnern.

Bill Balaskas (Kalfayan, Athen/Thessaloniki) befasst sich in ironisch-subversiven Installationen und Videos mit der globalen Wirtschaftskrise und dem kapitalistischen System. Dabei spielt er auch auf die aktuelle Situation in seiner griechischen Heimat an.

Laurence Kavanagh (Marlborough Contemporary, London/NewYork) lässt sich zu seinen Skulpturen, Installationen und Collagen von Motiven aus literarischen Quellen und Filmen anregen, die er mit neuen Inhalten auflädt und in ein anderes Medium überträgt. Zbynek Baladrán (Jocelyn Wolff, Paris) lotet in Videos, Video-Installationen und Projektionen komplexe Fragen der Wahrnehmung, ihrer Hierarchie und Darstellung aus.

Tina Hage (Thomas Rehbein, Köln) greift für ihre Fotografien und Installationen auf aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehnisse und Erscheinungen zurück, die sie aus ihrem Kontext isoliert. Dabei gilt ihr spezielles Interesse der Beziehung zwischen Menge und Individuum.

Vieldeutig ist das Werk der New Yorkerin Talia Chetrit (Sies + Höke, Düsseldorf), deren fotografische Stillleben und Selbstporträts wegen ihrer strengen Arrangements an die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts erinnern, aber dennoch über eine individuelle, moderne Ästhetik verfügen. Chetrit untersucht, inwieweit sich mit Mitteln der Fotografie der Skulptur- und Malereibegriff erweitern lässt. Dabei nutzt sie die Eigenschaften von Scanner und Photoshop.

Anna Vogel (CONRADS, Düsseldorf) kombiniert in ihren fotografischen Arbeiten Momente der eigenen Biographie und abstrakte Segmente. Die Künstlerin überklebt Bildpartien mit gefundenem Material oder übermalt sie, klärt Bildinhalte oder verunklart sie auf hintergründig-raffinierte, oft auch humorvolle Weise. So lässt sie Bildgeschichten entstehen, die dem Betrachter assoziative Spielräume bieten.

Der kalifornische Fotograf Owen Gump (BQ, Berlin) knüpft an die klassische amerikanische Landschaftsfotografie an. Dabei interessiert er sich für die Spuren menschlicher Zivilisation, die sich etwa in Islands jüngster Inselgruppe eingeschrieben haben. In einer aktuellen Serie von Farbfotografien unter dem Titel 'Nukuheva' zeigt er Einblicke in eine Surfbrett-Werkstatt. Gump erweiterte die Präsentation dieses Werkblocks durch eine Skulptur in Form eines Surfbretts in den Raum hinein.

 

Besonderer Dank an ZADIK (Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e. V.)

 

 

 

21.04.2013 07:49 (Kommentare: 1) | Weiterempfehlen

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Kommentar von Frank Carlguth | 20.10.2013

Förderprogramm NEW POSITIONS für wen?
Künstler ohne aufgenommene Galerie haben doch keinerlei Möglichkeit!