▶ König geht

Köln verliert, Köln feiert. Ein Phänotyp gibt sich zur Besichtigung frei

Was uns fehlen wird: Seine Glaubwürdigkeit. Wenn Kasper König uns von seinen frühen Jahren in New York erzählt, wie er Andy Warhohl in seiner Factory aufsucht und dort unverhofft auf Marlene Dietrich trifft, oder wie er zusammen mit Alfred Schmela im Madison Square Garden einen Titelkampf mit Boxweltmeister Cassius Clay sieht, sind das Anekdoten, die König immer auf Lager hat. Sie erzählen auch von Königs vitalem Interesse an den Beziehungen und Personen, seiner persönlichen Anhänglichkeit und tiefen Verbindung mit der Kunst seiner Zeit, nicht selten über vier, fünf Jahrzehnte hinweg. 

 

 

Was Kasper König überhaupt nicht werden wollte, wir werden es wohl am meisten vermissen. Ganz gegen sein Naturell und Wesen, wohl auch gegen seine generationsbedingte Skepsis gegen Autoritäten, ist er selbst zu einer geworden. Er, der seinen Vornamen früh von Rudolf Hans zu Kasper änderte, dieser lustige wie schalkhafte Kasper, ist tatsächlich zu einer eigenwilligen Autorität gereift. Auf seiner langen Bahn durch die wechselhaften, mal aufklarenden, mal launischen und öfters ungestümen Zeiten, ist er zu einer anti-anti-Autorität geworden, gleichzeitig kritischer Beobachter und Instanz, scharfzüngiger Kommentator und sorgender Museumsdirektor.

 

Odyssee im Kunstraum, Teil 2:

 

Seinen Abschied hat er sorgfältig vorbereitet und eindrucksvoll inszeniert. Wie es sich für den letzten amtierenden Großmeister des internationalen Kunstbetriebs gebührt. Seit König auf dem Höhepunkt der Kölner Kunstmetropolenträume 1981 die „Westkunst“ organisierte, stand Köln ohnehin im Bann dieses singulären Ausstellungsmachers. Erst mit 57 Jahren wurde er auf Initiative von Marie Hüllenkremer ans Museum Ludwig berufen und übernahm 2000 erstmals die Leitung eines Museums. „Ich bin letztlich branchenfremd, kein promovierter Kunsthistoriker und habe diverse Sachen gemacht, aber mich vor allem seit erschreckend langer Zeit immer mit dem beschäftigt, was Künstler tun und was Kunst sein könnte,“ erklärte er erfrischend selbsteinsichtig. In zwölf Jahren hat sich König das unvertraute Amt eines Museumsdirektors erarbeitet und erobert. Zum Abschluß zieht er mit einer ganzen Serie von Ausstellungen eindrucksvoll Bilanz. Als wollte der zuletzt zu einem großen Museumsmann gereifte Ausstellungsmacher König dem internationalen Publikum zeigen, was aus einem Kunstmuseum in kommunaler Trägerschaft, selbst in der von öffentlichen Schulden und manchen Kabalen geplagten Kunstmetropole im Niedergang herauszuholen ist.

Seinen besonderen Humor, sein heiseres Lachen, stets mit wacher Skepsis und scharfem Verstand grundiert, haben ihm die Ämter nicht abkaufen können. Auf seine erstaunliche Art ist König gealtert und jung geblieben. Im bunt kariertem Hemd, Hosenträger darüber, empfing uns Kasper König in seinem Büro im Museum Ludwig.

 

 

 

 

Interview: C. F. Schöer

Kamera & Montage: Thom de Bock

Photographie: Astrid Piethan

 

Besonderer Dank an die Mitarbeiter des Museums Ludwig, Köln

 

 

 

während der Dreharbeiten in Königs buntem Büro:

12.10.2012 09:24 (Kommentare: 4) | Weiterempfehlen

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Kommentar von Lucky Luke | 12.10.2012

 

"Als", Herr König, "als"! KaspEr, Herr Schroer, KaspEr.
Kinda langweilig, oder nicht?! Was meint ihr?
A King´s speech isses nicht, wa?
Leidenschaft und Startkapital sind aber unschlagbar.
Wir bedanken uns für die streitbare Persönlichkeit und dem guten Netzwerker und wünschen alles Gute für die Zukunft.

Kommentar von ... | 12.10.2012

 

 

es tut mir leid, aber ihre dekorativen bemühungen empfinde ich als durchaus störend. was sollen all diese dämlichen videoeffekte?

 

Kommentar von ... | 16.10.2012

Gut gefragt, Danke! Würde gerne das ganze Gespräch sehen, hoffentlich ohne diese unsäglichen Effekte.

 

Kommentar von bock | 16.10.2012

tatsächlich planen wir 2 DVDs mit dem gesamten Interviewmaterial herauszugeben